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Kunst

86 Stufen. Höher hinauf geht es nicht am Goethe-Gymnasium. Der Weg nach oben führt in den Bereich der Bildenden Kunst  mit seinen Winkeln, Nischen, Schleichwegen und den großzügigen Zeichensälen. Man bewegt sich in einer Atmosphäre, die einnimmt, die zur Ruhe kommen lässt und anregt. Ein guter Ort für das Fach Bildende Kunst. Ein Ort an dem sich Schüler und Lehrer wohl fühlen.

Wir hoffen, dass diese Atmosphäre nicht den anstehenden Umbauarbeiten zum Opfer fällt und die Gedanken zur Bemessung des Raumes für die Schüler im Fach Bildende Kunst nicht nur von Zahlen dominiert werden. Kunstunterricht braucht Raum. Man muss sich entfalten können, um zu sich zu kommen.

Das Ausstellen der im Unterricht entstandenen Ergebnisse, der Schritt in die „Schulöffentlichkeit“, ist in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung. Die Schülerarbeiten geben der Schule ein Gesicht, ein wechselndes Aussehen. So machen die Schüler die Erfahrung ihren Lebensraum mit zu gestalten, sie werden ein Teil der Schule, sie machen die Schule zu einem Teil von sich. Dabei sollen sie nicht nur Zulieferer, Handlanger einer festen Vorstellung sein, der sie sich fügen müssen. Nein, das Gesicht der Schule soll lebendig sein. Auch mal krumm und schief, zerknautscht, unsicher, grell und übervoll. Aber wenn möglich: Jeder Schüler soll seinen Raum bekommen. Es gibt kein falsches Bild.

Abhängig von der Klassenstufe zeugen die entstehenden Arbeiten auch von einer Annäherung an Anforderungen der angewandten Gestaltungsformen. Zum Beispiel im Bereich des Architekturmodellbaus, wo die Auseinandersetzung mit Form, Funktion und Konstruktion von Gebäuden planerisches Denken sowie die Umsetzung in eine präzise, klare Formensprache anstrebt. Auch harte politische und soziale Realitäten unserer Welt sind Teil des Kunstunterrichts und bekommen ihren Ausdruck - durchaus erklärungsbedürftig, Fragen aufwerfend (vor allem für die jüngeren Schüler).

In ihrem Buch „Die 101 wichtigsten Fragen an die Kunst“ verweist Susanna Partsch bei ihren Überlegungen zu der Frage „Braucht Kunst eine Gebrauchsanweisung?“ auf die zentrale Bedeutung von Hintergrundinformationen, ohne die nicht nur die symbolhafte Sprache des Mittelalters, sondern Kunstwerke aus allen Jahrhunderten kaum verständlich wären. Weiterhin lässt sie zu der Frage, ob der Betrachter am kreativen Akt beteiligt sei, Marcel Duchamp zu Wort kommen: „Alles in allem wird der kreative Akt nicht vom Künstler allein vollzogen; der Zuschauer bringt das Werk in Kontakt mit der äußerlichen Welt, indem er dessen innere Qualifikationen entziffert und interpretiert und damit seinen Beitrag zum kreativen Akt hinzufügt. Das wird noch deutlicher, wenn die Nachwelt ihr endgültiges Verdikt ausspricht und manchmal vergessene Künstler rehabilitiert“. Pablo Picasso wiederum schreibt unter der Überschrift „Kunst verstehen“: „Jeder möchte die Kunst verstehen. Warum versucht man nicht, die Lieder eines Vogels zu verstehen? Warum liebt man die Nacht, die Blumen, alles um uns her, ohne es durchaus verstehen zu wollen? Aber wenn es um ein Bild geht, denken die Leute, sie müssen es verstehen… . Menschen, die Bilder erklären wollen, bellen für gewöhnlich den falschen Baum an.“

Wir verstehen den Kunstunterricht als offenes System, in dem auf der Grundlage der Vermittlung von Prinzipien der Gestaltung, der Wahrnehmung sowie des kunstgeschichtlichen Wissens vor allem die Kommunikation lebendig bleiben soll. Und auch dafür ist das Goethe-Gymnasium ein guter Ort. Denn Dank Schülerschaft, Schulleitung und Kollegium ist es ein Ort, an dem Kommunikationskultur einen Platz hat.